Sterngucker

Die Nacht von Freitag auf Samstag habe ich mit der älteren Nichte im Sommergarten der Eltern verbracht. Der Plan war ein „Outdoor“ Erlebnis zu schaffen, Zelteln ist der Nichte noch zu unheimlich, und einem geheimen Interesse des Kindes nachzugehen: der Astronomie.
Durch die niedrige Lage der Verteilerdosen auf den Masten auf denen die Wegbeleuchtung vor dem Haus meiner Eltern angebracht ist, dachte ich das ich eine Situation mit niedriger Lichtverschmutzung herstellen kann, doch was immer ich in dieser Verteilerdose abgeklemmt habe hat nicht dazu beigetragen die Nacht zur….nun, Nacht zu machen.
Aber man lebt in der Zukunft welche zwar noch nicht auf Jetsons Niveau[1] ist, aber durch die App Skyview[2] die Möglichkeit bietet sich eine Schicht Realität auf eine erfassbare Ebene zu holen. Wir haben die App vor Jahren bei einer Nachtwanderung mit der älteren Nichte zu schätzen gelernt um ihr „ein Gefühl für den Weltraum“ zu vermitteln.
Ein paar Sterne konnten wir doch noch mit freiem Auge erkennen als wir uns dazu aufgerafft haben einen kurzen Spaziergang auf einer der umliegenden Wiesenflächen zu machen; einen Ausflug in eine Sternwarte haben wir auf unsere Aktivitätenliste gesetzt.

Zum Abschluss des Tages gab es einen pre-Mitternachtssnack für das Kind und nachdem sie eingeschlafen war, wurde meine Bettschwere durch die Weckfunktion der Wetterstation erleichtert[3] und durch die inzwischen auf Temperatur gekommene Wegbeleuchtung, warmzündende Metalldampflampen, war meine Nachtruhe eher ein dösen als schlafen.
Aber lustig wars und mein Körper hat sich am Folgetag nicht so laut über das weiche Campingbett beschwert wie ich erwartet habe.

[1] DC Comics hatte ja vor kurzem ein Jetsons Heft im Zuge der Hanna-Barbera Copyright Auffrischung in den Regalen in dem die Idee geäussert wurde das die Erdoberfläche beinah unbewohnbar ist und man deswegen auf die schwebenden Städte gezogen ist. Stellt die ganze Serie und meine Erinnerungen daran unter ein neues Licht. Nichts darf mehr unbeschwert sein.
[2] Skyview App
[3] Zitat: „Wäre uns nicht aufgefallen das des Ding läutet.“

Advertisements

Vater“freuden“ nr5

Ich habe dem Kind eine e-Mail Adresse samt Datenspeicher eingerichtet. Die Verwandtschaft hat die Daten bekommen und ist ermutigt worden sie auch zu benutzen wenn sie dem Kind etwas zeigen oder mitteilen möchten. Der Plan ist an einem undefinierten Zeitpunkt entweder alles zu drucken und dem Nachwuchs in die Hand zu drücken oder die Zugangsdaten auszuhändigen.
Ich habe begonnen den Prozess meiner Metamorphose zu dokumentieren und zu diskutieren. Gestern habe ich eine lange e-Mail über das Thema „Hätten wir Dich abgetrieben wenn die Nackenfaltenmessung und der Bluttest ein anderes Ergebnis geliefert hätten?“.
In unserer Familie wurde wenig über persönliches geredet und es war ein langer und harter Weg den meine Eltern und ich gehen mussten bis wir verinnerlicht hatten das sie nicht die Übermenschen sind für welche ich sie hielt und ich nicht der Sohn den sie sich ersehnten; aber wir sind in Ordnung und hinter unseren Illusionen stecken Menschen die wir liebenswert finden und gerne als Familie bezeichnen.
Ich möchte das mein Kind mich so früh wie möglich als Mensch wahrnimmt; mit mehr Schwächen als Stärken, aber mit der Absicht ehrlich zu sein.

Vater“freuden“ nr.2: Stilfragen

Ob man schon Kleidung für den Nachwuchs gekauft habe wird von der entfernten Verwandtschaft gefragt.
Man erzählt von den beiden Strampelanzügen welche man unabhängig voneinander erstanden hat: ein Batman’s Kostüm nachempfundener Strampelanzug samt Haube mit den charakteristischen Ohren darauf und ein roter der einem Trikot ähnelt; Mücke 63 steht in Anlehnung auf den Film mit Bud Spencer darauf.
Die Verwandtschaft sieht sich in ihrer Vermutung bestätigt das es ein Junge wird.
Das wissen wir noch nicht antworten wir wahrheitsgemäß.
Wieso kaufen wir Kleidung für einen Jungen wenn das Geschlecht noch unbekannt sei fragt die entfernte Verwandtschaft.
„Weus wurscht is [Weil es egal ist].“ ist die einzige Antwort die mir einfällt und die entfernte Verwandtschaft dazu bringt das Thema als besprochen anzuerkennen.
Was allerdings später am Tag folgte war eine Fotostrecke der vielen exklusiv gefälschten Markenanzüge welche die entfernte Verwandtschaft für deren Enkel gekauft haben.
Meine Eltern versichern mir später das sie die Visitenkarte des exklusiven Kinderbekleidungshändler der entfernten Verwandtschaft vorsichtshalber gleich in der Toilette entsorgt haben; um auf Nummer sicher zu gehen.

Am Folgetag nehme ich die beiden Strampler vom Wäscheständer und frage mich wieviele Scherereien wir wohl noch haben werden weil wir der Meinung sind das es egal ist welche Farbe die Kleidung eines Säuglings hat.
Und wenn mein möglicher Sohn sich eines Tages dafür entscheidet ein Sommerkleid zu tragen weil ihm T-Shirts im Sommer unbequem sind dann soll er das verdammt noch einmal machen dürfen, ohne das jemand meint sich negativ darüber äussern zu müssen.

Weus wurscht is.